Freitag, 2. März 2012

Rasse 4

Bei der Beschäftigung mit Rasse ist der Vergleich zum Geschlecht nützlich. Wobei es gar keinen Sinn hat, „bei aller Verschiedenheit eine Gleichwertigkeit“ zu behaupten, denn bis vor hundert Jahren hatten Frauen nun einmal nichts zu melden. Allerdings hat sich das inzwischen geändert. Nicht weil das Wesen der Frau sich geändert hat, sondern die historischen und vor allem die technischen Voraussetzungen. „Weibliche Tugenden“ sind in einer postindustriellen Gesellschaft erfolgreicher einzusetzen als in einer Agrargesellschaft. Für Nietzsche ist die Stellung der Frau ein Kennzeichen für den Dekadenzgrad einer Gesellschaft: je weiter oben die Frauen, desto weiter unten die Gesellschaft. Fest steht: es gibt verschiedene Arten von Menschen. Und ihr Wert kann sich ändern.

Ein weiterer interessanter Vergleich zur Rasse ist die sogenannte „Disposition“ zu psychischen Krankheiten. Psychisch deswegen, weil es uns um die Frage geht, wie weit Charakter und Leistungsfähigkeit durch die Abstammung bedingt sind. Zum Beispiel ist die Wissenschaft seit Jahrzehnten auf der Suche nach dem „Schizophrenie-Gen“ sowie dem „Depressions-Gen“. Obwohl da große Summen investiert werden – im Unterschied zur Rasseforschung – gibt es bislang kein konkretes Ergebnis. Die statistischen Untersuchungen (Familienstammbäume) belegen aber, daß eine „genetische Disposition“ für diese Krankheiten besteht. Irgendwo im Genom muß es eine charakteristische Veränderung geben, die das Risiko erhöht, schizophren oder depressiv zu werden. Wenn diese Veränderung nicht sehr klein wäre, hätte man sie schon gefunden. Trotzdem bewirkt sie eklatante Veränderungen. Denken, Fühlen, Handeln sind so gestört, daß diese Menschen zu keiner Teilnahme am normalen Leben mehr fähig sind. Das gleiche gilt für den frühkindlichen Autismus – auch da weiß man noch nicht, wo die genetische Grundlage ist. Es gibt nur die Feststellung, daß Jungen häufiger davon betroffen sind als Mädchen. Im Vergleich zu diesen psychischen Störungen sind die Verhaltensunterschiede zwischen Schwarzen und Weißen eher gering. Auch die Unterschiede im Gencode fallen demnach geringer aus als bei psychischen Störungen. Es wird also sehr schwierig sein, sie zu finden. Noch schwieriger ist es allerdings, wenn man erst gar nicht danach sucht.
Warum sucht man nicht nach genetischen Rasseunterschieden? Das haben keineswegs die Nationalsozialisten mit ihrem schlechten Ruf zu verantworten. Die Ursache liegt tiefer. Keiner kann abstreiten, daß unsere moderne Welt von Weißen geschaffen wurde, und daß Weiße sich darin am besten bewährt haben. Würde man nachweisen, daß Farbige grundsätzlich schlechter geeignet sind, die Anforderungen der „weißen Welt“ zu erfüllen, dann läge die Ungerechtigkeit auf der Hand. Man müßte einen Ausgleich zahlen in der Höhe, wie es einem weißen Durchschnittsgehalt entspricht. Zumindest müßte man das, wenn man beim Prinzip der Menschenrechte bleiben will. Ein solcher Ausgleich läßt sich aber nicht finanzieren. Also bleibt den Menschenrechtlern nichts anderes übrig, als immer wieder zu behaupten, daß den Farbigen nichts anderes im Wege steht als die „Diskriminierung“.
Weiß und doch anders: Autist

Rasse 3

Vor einigen Jahren hat der Schriftsteller Matthias Politycki nach einer Ursache für die weibliche Vorliebe für farbige oder gar schwarze Männer gesucht. Häufig sieht man weiße Frauen, teils gut aussehend, zusammen mit dunkelhäutigen Männern, und manche davon sind auch schon mit Nachwuchs gesegnet. Erst dann, wenn man diese Väter mit ihren Babys und Kleinkindern beobachten und mit weißen Vätern vergleichen kann, enthüllt sich zumindest ein Teil von der mysteriösen Anziehungskraft.

Sie liegt nicht, wie Politycki vermutet, in der stärkeren Männlichkeit des Negers oder dem Nimbus davon und der schwächlichen Konstitution ihrer weißen Konkurrenten. Diese Vermutung zeugt eher von dem Minderwertigkeitskomplex der europäischen (und jüdischen) Intellektuellen. Schwarze sind nicht männlicher, sondern tendenziell kindlicher, das heißt gefühlvoller und verspielter als Weiße. Das kommt ihnen beim Umgang mit Frauen und Kindern zugute – weniger bei der Beschaffung des Unterhalts. Frauen fühlen sich bei einer gewissen Oberflächlichkeit und Gefühlsseligkeit besser verstanden. So ziehen sich Schwarze gern gut und auffällig an. Wahrscheinlich teilen sie auch die Lust am „Shoppen“. Wo das Geld dafür herkommen soll, ist eine andere Frage.
Sicher gibt es Ausnahmen. Wie den schwarzen Atomphysiker bei Gerhard Polt. Genauso gibt es Frauen, die fürs Plaudern wenig Sinn haben und lieber Motoren konstruieren. Wie kommen solche „Ausreißer“ zustande? Sicher nicht nur durch eine vermehrte Intelligenz. Den Einzelgängern fehlen vielleicht die für Rasse oder Geschlecht typischen Ablenkungsmittel, so daß sie sich ausnahmsweise auf das konzentrieren können, was weiße Männer als wichtig und richtig festgelegt haben. Und was zur gesellschaftlichen Karriere führt. Intelligente Frauen, könnte man sagen, sind keine „richtigen“ Frauen. Und intelligente Schwarze sind keine „richtigen“ Schwarzen. Doch die Tatsache, daß es sie gibt, beweist, daß das Gehirn die entsprechenden Potentiale enthält. Weder Frauen noch Farbige gehören einer fremden Art an, sondern eben nur einem anderen Geschlecht oder einer anderen Rasse. Sie sind nicht der Esel, dem Eulenspiegel das ABC beibringen wollte.

Warum?

Rasse 2

Nehmen wir einen einfachen Fall: die Chinesen. Sie gehören ganz offensichtlich einer anderen Rasse an als die Europäer bzw. „die Weißen“, um die Nordamerikaner mit einzuschließen. Keiner kann es bestreiten: sie sehen ganz anders aus als wir. Was sich im Inneren abspielt, kann man nicht wissen. Man muß es aus den Äußerungen erschließen.

In den Erinnerungen des letzten Kaisers werden die Welt des alten China und die „Verbotene Stadt“ mit ihren Kunstschätzen sowie die traditionelle Erziehung des Thronerben eindrucksvoll beschrieben. Dabei fällt eines auf: Der Ex-Kaiser wirkt nicht nur sympathisch und intelligent, er wirkt vor allem europäisch. Keiner seiner Gedanken erscheint fremdartig. Man muß sich beim Lesen immer wieder vor Augen führen, daß der, der da schreibt, die Schlitzaugen und das gelbe Gesicht hat, weil man sich sonst unwillkürlich jemand vorstellt, der so aussieht wie wir.
Die Rassenunterschiede sind, was die Mentalität betrifft (mens = Geist) wahrscheinlich nur gering. Man darf nicht annehmen, daß Angehörige anderer Rassen ein völlig anderes Gefühlsleben haben und Gedanken, die für uns gar nicht nachvollziehbar sind. Daß aber kleine Unterschiede große Folgen haben können, sieht am Beispiel von Mensch und Affe. Da beträgt der genetische Unterschied nur ein bis zwei Prozent.
Während Pu Yi uns schnell vertraut wird, wirkt die chinesische Kultur völlig fremdartig. Im Umkreis des Kaisers spielen die Farbe Gelb und das Motiv des Drachens eine zentrale Rolle. Das Schönschreiben (Kalligraphie) wird ernst genommen wie bei uns chemische oder physikalische Formeln. Insgesamt fehlt ihnen die Fortschrittsdynamik, was heute wieder anziehend wirkt. Über tausend Jahre bleibt alles beim Alten. Diesen Traditionalismus schätzt der Chinese.
Aber nur solange, bis er in Berührung mit der europäischen Kultur kommt. Bei Pu Yi geschieht es in der Gestalt seines Englischlehrers. Von allem, was Mr Johnston sagt, ist der junge Kaiser begeistert. Bald will er auch ein Telefon, ein Auto und europäische Kleidung. Obwohl chinesische Gelehrte und Würdenträger ihn umgeben, gilt alles nichts mehr, sobald ein durchschnittlicher Vertreter Europas auftaucht. Das alte China verwandelt sich in ein schönes Museum, das man gern erhalten möchte, doch das Leben wird von modernen Apparaten und modernen Gedanken bestimmt:
„In diesen Jahren war ich noch viel mehr zu der Überzeugung gelangt, daß alles Ausländische gut und alles Chinesische – mit Ausnahme des Kaisertums, versteht sich – schlecht sei. Der Anblick eines Speermint Kaugummis oder einer Aspirintablette von Bayer genügte, um mich über die hoffnungslose Tölpelhaftigkeit der Chinesen im Vergleich zur Superintelligenz der Ausländer seufzen zu lassen.“
Wieder zeigt sich, daß der Unterschied zwischen Chinesen und Europäern so groß nicht ist. Beide haben die gleichen Wünsche nach Schnelligkeit, Bequemlichkeit und nach Neuigkeiten. Daher braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Asiaten sich ehrgeizig und erfolgreich die europäische Welt aneignen. Auch nicht darüber, daß sie neue Erfindungen machen und Dinge weiterentwickeln. Denn sie haben gelernt, was Weiterentwicklung bedeutet, und welche Vorteile sie bringt.
Die Frage bleibt jedoch, ob eine spezifische Fähigkeit oder ein besonderer Drang dazu gehört haben, um die historische Dynamik zu entfesseln. Ein WILLE ZUR MACHT, der sich von der chinesischen MACHTENTFALTUNG weniger quantitativ als qualitativ unterscheidet.
Allerdings handelt es sich hier nur noch um eine historische Frage. Den spezifisch weißen Willen, wenn es ihn gibt, brauchen wir vielleicht gar nicht mehr. Im Gegenteil, für die Naturerhaltung wäre er sogar verhängnisvoll. Den Ausdruck „CHINESISCH“ gebrauchte Nietzsche übrigens für alles, was starr und dabei kompliziert ist. Im Moment sieht es tatsächlich so aus, als ob das unsere Zukunft wäre.
Chinesisch I
Chinesisch II

Rasse 1

Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1769) prägte den Ausdruck „edle Einfalt, stille Größe“ zur Beschreibung des antiken Griechenland. Doch wie kam es dazu, daß gerade dieses Völkchen so besondere Eigenschaften zeigte? Auch dazu hat Winckelmann eine Theorie:

„GEBLÜT“, „KLIMA“ und „ERZIEHUNG“ haben die Griechen zu dem gemacht, was sie waren.
Modern ausgedrückt: Vererbung und Milieu. Wobei das „Klima“ einerseits das Individuum prägt, das darin aufwächst, andererseits das Volk, das darin entsteht. Nietzsche bezeichnete die beiden Stränge als „ZUCHT“ im Sinne von Erziehung und „ZÜCHTUNG“ im Sinne von Genetik. Die genetische Grundlage einer ganzen Menschengruppe nennt man „Rasse“. Winckelmann sagt: die alten Griechen waren rassisch und kulturell für ihre historische Leistung vorgeprägt.

Diese Aussage wurde vor 250 Jahren gemacht. Man braucht sich also über den naiven Rassismus nicht zu wundern. Doch noch 1985 werden Winckelmanns Ausführungen in dem Büchlein „Die deutsche Klassik“ von Ingeborg Scholz kritiklos übernommen. Sie kommt gar nicht auf die Idee, daß es sich hier um eine rassistische Position handelt.
Es ist manchmal schon angebracht, die Klassiker aus ihrem gewohnten Rahmen herauszureißen, wie die modernen Theaterregisseure. Tatsächlich herrscht eine Klassikerrezeption, die alles Anstößige und Provozierende übergeht und nur das finden will, was im Kopf eines linksliberalen Deutschlehrers vorkommt.

Ein Schreibtischtäter: J.J. Winckelmann

Donnerstag, 23. Februar 2012

Vortrag Silvia Stolz

Am Dienstag, 22. Februar, hielt Silvia Stolz in Berlin einen Vortrag. Am besten war der Anfang, denn er enthält den ganzen Irrtum der Holocaust-Leugner:

„Wer heute seinem Volk nützen will“, sagte Silvia Stolz sinngemäß, „wird als Nazi bezeichnet. Und der Begriff Nazi ist besetzt mit dem größten vorstellbaren Verbrechen. Auf diese Weise soll der Volkstreue außer Gefecht gesetzt werden.“
Weiter sprach Frau Stolz darüber, was man gegen diese Strategie tun könne. Ihr Vorschlag: die Bezeichnung Nazi akzeptieren und den Holocaust bestreiten.

Nett und sympathisch: Silvia Stolz


Das nützt aber genauso wenig wie die umgekehrte, von der NPD empfohlene Vorgehensweise, den Nazi-Vorwurf vehement zu bestreiten und die offizielle Holocaust-Version zu akzeptieren (siehe Holger Apfel neulich im „Spiegel“).
Beides nützt nichts, weil der eigentliche Vorwurf ein ganz anderer ist. Nationalsozialismus und Holocaust werden nur ins Feld geführt, weil es die schnellste und bequemste Art ist, nationale Forderungen zurückzuweisen. In Wirklichkeit geht es nicht gegen „Nazis“, sondern gegen die nationale Haltung als solche. „Wer seinem Volk nützen will“ ist an sich schon – ohne daß er mit Nationalsozialismus und Holocaust irgendetwas zu tun hat – aus der Politik ausgegrenzt. Eine nationale Position läßt sich nicht durchsetzen und wird sich nicht durchsetzen lassen.
Warum das so ist, wissen nicht nur die Nationalen nicht, sondern auch die anderen können es meist nicht gut begründen. Sie haben einfach das Gefühl, daß der Nationalismus irgendwie böse und inhuman ist, und greifen daher auf die Nazi-Keule zurück.
Es gibt aber ganz andere, stichhaltige Gründe dafür, daß der Nationalismus des 18. und 19. Jahrhunderts für die Zukunft nichts taugt. Diese Gründe sind allerdings nicht so plakativ. Sie verlangen eine kühle Reflexion.
Es gibt heute eine Technik, die in sich global ist und die Welt ständig kleiner macht. Mit dem Flugzeug ist man in wenigen Stunden an jedem beliebigen Ort. Mit dem Internet in einer Minute. Wenn in Rußland ein Atomkraftwerk explodiert, sind in Bayern die Pilze vergiftet. Es ist billiger, Früchte und Blumen über tausend Kilometer zu transportieren, als sie um die Ecke anzubauen. Die Kleidung, die wir tragen, wäre unbezahlbar, wenn sie nicht aus Indien oder China stammte. Das gleiche gilt für Computer und Kaffemaschinen.
Es ist also, schlicht gesagt, Schwachsinn, zum alten Nationalstaat zurückkehren zu wollen. Und diesen Unsinn kauft das Volk nicht ab. Deshalb haben die nationalen Parteien keine Chance. Nationalismus hat höchstens dort eine vorübergehende Chance, wo es darauf hinausläuft, als schwaches Land mehr von den stärkeren, vor allem von Deutschland, abzuschöpfen. Bei den Deutschen selber funktioniert dieses Vorhaben natürlich nicht. Weil wir stark sind, brauchen wir umgekehrt die schwächeren Länder als Abnehmer unserer Produkte. Deshalb wählen die Deutschen nicht rechts. Das Volk ist zwar einfältig, aber nicht schwachsinnig. Es weiß, wo seine Arbeitsplätze und Produkte herkommen.
Der nationale Gartenzwerg

Der besondere Witz besteht nun darin, daß gerade die Nationalsozialisten gar keinen Nationalismus im traditionellen Sinne mehr vertreten haben. Deshalb haben sie sich schon damals gegen andere nationale Gruppierungen durchsetzen können. Es ging um Großraumordnung (die Vorstufe zur „Weltordnung“), um das Reich und um die Rasse. Alles Prinzipien, die sich auf die moderne technisch-wirtschaftliche Entwicklung beziehen lassen. Daß die Bemühungen um „Autarkie“ als Kriegsvorbereitung dienten, wird nur jemand abstreiten, der Hitler für einen „Rhetor und einen Biedermann“ hält. Das Zitat stammt von Ernst Nolte. Es bezieht sich allerdings nicht auf den Krieg, sondern auf den Holocaust. Der Historiker räumt ein, daß es etliche ungeklärte Fragen zu diesem Thema gibt, für ihn jedoch überwiegen die Argumente, die für eine zielgerichtete Massentötung sprechen. Eines dieser Pro-Argumente besteht für Nolte in der „extremen Unwahrscheinlichkeit, daß Hitler lediglich ein Rhetor und ein Biedermann war“ (E.N., Späte Reflexionen, Wien/Leipzig 2011, S. 84).
Immer älter, immer klüger: Ernst Nolte

Jemand, der Hitler trotz der „extremen Unwahrscheinlichkeit“ für einen Biedermann hält, ist Silvia Stolz. Sie glaubt, daß die Juden unser Unglück sind, aber sie glaubt nicht, daß die Nazis ernst gemacht haben. Sie glaubt auch, das kam gegen Ende des Vortrags zur Sprache, daß die Deutschen „nicht nur an sich selbst denken“. Sie denken mit Vorliebe an „das Ganze“. Hegel nennt es „Geist“. Trotzdem glaubt sie an die nationale Gartenlaube, wo wir unsere Kartoffeln selbst anbauen und die Pullover aus Schafwolle stricken. Man könnte meinen, daß es sich hier um eine typisch weibliche Rückzugshaltung und Sentimentalität handelt. Doch das hat nicht mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Ghettoisierung. Wer immer klein gehalten wird, neigt auch zum kleinen Denken.
Es wäre tatsächlich erfolgversprechender, an den Nationalsozialismus anzuknüpfen als an einen veralteten Nationalismus. Dann müßte man allerdings den Nationalsozialismus von nostalgisch-biedermännischen Vorstellungen freimachen. Und das erste wäre das offene Eingeständnis der Verbrechen.
Der deutsche Geist

Mittwoch, 22. Februar 2012

Brief über Breker

Werner X. hat einen Brief an Jürgen Trimborn geschrieben. Mich und andere läßt der Verfasser am Inhalt des Briefes teilhaben. Es geht um die Biographie über Arno Breker, die Trimborn im letzten Jahr veröffentlicht hat. X. ärgert sich über das Buch und weist dem Autor in einem sechsseitigen Schreiben der Reihe nach Sachfehler und unangemessene Bewertungen nach. Diese Kritik dürfte Jürgen Trimborn aber nichts Neues sein, denn schon die Rezension am 29. November letzten Jahres in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war negativ ausgefallen. Was die FAZ auszusetzen hatte, entspricht im wesentlichen den Einwänden, die auch X. vorbringt. Im Zentrum steht der Vorwurf, daß eine einseitig politisch-moralische Verurteilung kein Kunstverständnis ersetzt. Sieht man sich an, was Trimborn bisher so getrieben hat, wundert man sich nicht mehr über seine mangelnde ästhetische Sensibilität. Biographien über Romy Schneider und Johannes Heesters mögen unterhaltsam und gut verkäuflich sein, für eine Beurteilung der Kunst des 20. Jahrhunderts bereiten sie nicht optimal vor.

Interessanter als die Kritik von Trimborn ist jedoch die Frage, wie wir selber zu den Kunstwerken von Breker stehen. Auch dazu hat sich X. in seinem Brief geäußert:
Auch ich bin beileibe nicht mit allem einverstanden, was Breker im Laufe seines Lebens geschaffen hat“, schreibt er. „Insbesondere die ganz monumentalen überdimensionierten Werke sagen mir nicht zu, wie auch Zahlreiches, was er nach dem Krieg machte. Vieles davon ist mir viel zu geglättet, zu manieriert, zu seelenlos, zu perfekt.“

Trotz dieser Einwände steht am Schluß des Schreibens eine geradezu euphorische Würdigung:
Die Sonne Apollos durchglühte Brekers Leben und seine Hand berührte mit den zarten Blütenblättern einer Rose die Marmorlippen der römischen Göttin. Brekers Leben waren die Schönheit und die Kunst, ungebrochen in Glück und Unglück.“

Diese Aussage steht in direktem Gegensatz zu der vorangehenden Bemerkung:
Das ganze Gerede nach 1945 vom humanistischen Menschenbild oder der christlichen Inspiration, vom Prophet des Schönen und dem Vollender der Antike geht mir selbst vielleicht noch mehr auf die Nerven als Ihnen.“ Dazu bringt X. eine interessante Erläuterung: „Ich habe selbst einige Zeit gebraucht, um diese Tatsache anzuerkennen und einen früher eingenommenen Standpunkt zu revidieren.

Der Widerspruch zeigt jedoch, daß der Standpunkt des Verfassers zu seinem eigentlichen Thema – Breker und die nationalsozialistische Kunst – noch immer nicht ganz ausgereift ist. Oft täuscht man sich über die eigene Unsicherheit hinweg, indem man antifaschistische Fehlurteile spielend widerlegt. Doch die echten Fragen fangen erst danach an.
Die Frage ist, ob tatsächlich die „politische Verstrickung“ bei Breker eines Tages keine Rolle mehr spielen wird und der Künstler Aufnahme in den Olymp der ewigen Meister wie Perikles oder Michelangelo findet oder zumindest den anerkannten Plastiken des 19. Jahrhunderts gleichgestellt wird. Das „Gerede“ vom Prophet des Schönen und Vollender der Antike würde sich dann als Wahrheit erweisen. Die Anklage, einen spezifisch „nationalsozialistischen Stil“ geschaffen zu haben, der untrennbar mit der nationalsozialistischen Lehre und Praxis verbunden ist, müßte fallengelassen werden. Darf man das tatsächlich hoffen? Und kann man es überhaupt wünschen?
X. kritisiert ganz bestimmte Merkmale an Brekers Arbeiten: das „Monumentale“, das „Seelenlose“ und das „Perfekte“. Nun sind das gerade die Kennzeichen, die Breker von einer bloß gelungen Kopie der antiken Werke unterscheiden. Gerade durch diese Verzerrungen bekommen die Werke ihre Einmaligkeit und Besonderheit. Gleichzeitig widersprechen sie dem tradierten klassischen Schönheitsempfinden, das auf Maß und Menschlichkeit aus ist. Das gilt gerade auch für die griechischen Plastiken. Sie sind schön, aber auch „edel“. Die Breker-Plastiken ähneln zwar den antiken, sind aber in charakteristischer Weise verformt. Das führt zu einem völlig anderen Eindruck. Und diesen Eindruck empfinden wir spontan als störend oder provozierend. Mit seiner Monumentalität, Seelenlosigkeit und Perfektion durchbricht Breker die herkömmlichen ästhetischen Kategorien. Dadurch werden seine Werke in spezifischer Weise „modern“. Ihre verstörenden Merkmale spiegeln die eigene Zeit wider – nur auf andere Art als die moderne Kunst, die von den Nationalsozialisten als entartet betrachtet wurde. Es ist klar, daß das Monumentale, Perfekte und Seelenlose mit der Technisierung im 20. Jahrhundert zusammenhängt. Dadurch sieht man den Menschen anders. Man sieht ihn auch körperlich geprägt von den technischen Möglichkeiten, die sich ihm für die Zukunft eröffnen. Diese Möglichkeiten gehen über das hinaus, was bisher dem Menschen zugeschrieben wurde. Konkret kann man bei Breker an eine kommende genetische Manipulation in Richtung „Übermensch“ denken. Ob einen das nun anheimelt oder eher abschreckt, jedenfalls erweist sich der Künstler mit diesem Motiv als äußerst zeitgemäß.
Man kann die NS-Kunst nur richtig würdigen, wenn man sie als eine spezielle Variante der „modernen Kunst“ versteht. Zwar setzt sie sich in bewußten Gegensatz dazu, aber gleichzeitig ist sie auch selbst Teil davon. Es stimmt nicht, daß hier nur die tradierten Formen gewahrt und alte Motive wiederholt werden. Vielmehr dienen diese Mittel dazu, um auf die Situation des 20. Jahrhunderts zu reagieren – allerdings kämpferisch. Das gilt nicht nur von Breker, sondern zum Beispiel auch von den opulenten Blut-und-Boden-Gemälden. Wenn man diese Bilder ansieht, merkt man sofort, daß hier nicht eine ursprüngliche ländliche Lebensweise realistisch dargestellt wird. Die Bilder wirken nicht als Erholung fürs Auge, sondern als Schlag ins Gesicht. Diese Bauern und Ackerpferde sind Fanale gegen die Enfremdung: darin ähnlich wie die Werke des „Sozialistischen Realismus“. Gerade in dem, was uns an diesen Bildern unangenehm oder peinlich berührt, liegt ihre spezifische Qualität und nicht etwa in den handwerklichen Fertigkeiten, die die Künstler mehr oder weniger auszeichnet.
Damit ist diese Kunst genauso untrennbar an die nationalsozialistische Ideologie gebunden, wie die mittelalterliche Kunst an den katholischen Glauben gebunden ist. Wenn man meint, das trennen zu können und „rein ästhetisch“ von einer Madonna schwärmt, so handelt es sich um ein gelehrtes Mißverständnis. Der eigentliche Gehalt des Kunstwerkes ist immer seine Botschaft, und diese Botschaft ist nicht ewig, sondern historisch bedingt. Man wird Breker immer dafür bewundern, wie er den nationalsozialistischen Gedanken zum Ausdruck brachte, und wenn man von diesem Gedanken nichts mehr weiß, so wird man durch die Berührung mit den Werken auf die historischen Hintergründe neugierig werden. Mit griechischen Göttern werden Brekers Figuren niemals zu vergleichen sein. Und gerade diese Unvergleichbarkeit macht seine Größe aus.

Kasseler Apollon 100 n. Chr.







Arno Breker, Erwartung

Es ist nicht das Privileg von Picasso, wenn zum Verständnis seiner Werke bestimmte Kenntnisse gehören. Es nicht das Privileg der „entarteten Kunst“, die moderne Zeit zu repräsentieren. Und schließlich ist es nicht das Privileg von Skandalkünstlern, das Publikum zu provozieren. Das kann die NS-Kunst genauso gut.

Freitag, 17. Februar 2012

Nachricht 4

Zwanzig Jahre nach seinem Tod ist ein weiterer „Wissenschaftsnazi“ enttarnt worden. Es handelt sich um den Professor der evangelischen Theologie Otto Michel. Seit 1933 war er Mitglied der NSDAP und anfangs auch in der SA.

Richtig interessant wird die Sache dadurch, daß Michel sich nach dem Krieg zum besonderen Verfechter des jüdischen Erbes innerhalb des Christentums gemacht hat. Und dabei handelte es sich nicht nur um billige Sympathieerklärungen, sondern echte Forschungsergebnisse hat der Professor auf diesem Gebiet zutage gefördert. Die „Rückkehr zum hebräischen Denken“ nannte er das, wohlgemerkt immer innerhalb des Protestantismus. „Er verfügte ein unwahrscheinliches Gespür für die alten Texte Judentums“, bezeugt ein Kollege.
Und nun kommt das Unwahrscheinlichste: wie nämlich der Schatten den frommen Mann einholte. Wenige Monate vor seinem Tode hatte er sich in Sichtweite des Bettes eine hölzerne Standscheibe von einer Thora-Rolle (der hölzerne Griff) aufgestellt. Später kam sie ins Tübinger Stadtmuseum – bis ein findiger Antifaschist herausfand, daß man das Stück einst einem polnischen Juden entwendet und höchstwahrscheinlich dem Nazi-Forscher Michel zur Verfügung gestellt hatte.

Übrigens war die nationalsozialistische „Judenforschung“ in Tübingen besonders aktiv. Und sie bestand nicht nur in der Ausmessung von Nasenlängen, sondern durchaus auch im Studium der Originaltexte. So konnte sich der junge Wissenschaftler mit Parteibuch auf seine spätere Karriere als Philosemit und Versöhnungstheologe gut vorbereiten.
Es gibt offenbar Menschen, die sind so an ihrem „Stoff“ interessiert, daß es ihnen zweitrangig vorkommt, von welcher Richtung her der Zugriff auf diesen Stoff erfolgt. Das sind die richtig-echten Wissenschaftsmenschen. Und wo er recht hat, hat er recht: Im Christentum ist viel Judentum und im Protestantismus besonders. Das „jüdische Erbe von Jesus“ ist ein lohnendes Thema. Ob Judenfreund oder Judenfeind spielt da gar keine so große Rolle.

Rechtmäßiger Erbe der Thorascheibe ist der Psychologe Avner Falk. Der schreibt jetzt ein Buch über den Fall.
So sieht die "Thorascheibe" aus