Freitag, 2. März 2012

Rasse 2

Nehmen wir einen einfachen Fall: die Chinesen. Sie gehören ganz offensichtlich einer anderen Rasse an als die Europäer bzw. „die Weißen“, um die Nordamerikaner mit einzuschließen. Keiner kann es bestreiten: sie sehen ganz anders aus als wir. Was sich im Inneren abspielt, kann man nicht wissen. Man muß es aus den Äußerungen erschließen.

In den Erinnerungen des letzten Kaisers werden die Welt des alten China und die „Verbotene Stadt“ mit ihren Kunstschätzen sowie die traditionelle Erziehung des Thronerben eindrucksvoll beschrieben. Dabei fällt eines auf: Der Ex-Kaiser wirkt nicht nur sympathisch und intelligent, er wirkt vor allem europäisch. Keiner seiner Gedanken erscheint fremdartig. Man muß sich beim Lesen immer wieder vor Augen führen, daß der, der da schreibt, die Schlitzaugen und das gelbe Gesicht hat, weil man sich sonst unwillkürlich jemand vorstellt, der so aussieht wie wir.
Die Rassenunterschiede sind, was die Mentalität betrifft (mens = Geist) wahrscheinlich nur gering. Man darf nicht annehmen, daß Angehörige anderer Rassen ein völlig anderes Gefühlsleben haben und Gedanken, die für uns gar nicht nachvollziehbar sind. Daß aber kleine Unterschiede große Folgen haben können, sieht am Beispiel von Mensch und Affe. Da beträgt der genetische Unterschied nur ein bis zwei Prozent.
Während Pu Yi uns schnell vertraut wird, wirkt die chinesische Kultur völlig fremdartig. Im Umkreis des Kaisers spielen die Farbe Gelb und das Motiv des Drachens eine zentrale Rolle. Das Schönschreiben (Kalligraphie) wird ernst genommen wie bei uns chemische oder physikalische Formeln. Insgesamt fehlt ihnen die Fortschrittsdynamik, was heute wieder anziehend wirkt. Über tausend Jahre bleibt alles beim Alten. Diesen Traditionalismus schätzt der Chinese.
Aber nur solange, bis er in Berührung mit der europäischen Kultur kommt. Bei Pu Yi geschieht es in der Gestalt seines Englischlehrers. Von allem, was Mr Johnston sagt, ist der junge Kaiser begeistert. Bald will er auch ein Telefon, ein Auto und europäische Kleidung. Obwohl chinesische Gelehrte und Würdenträger ihn umgeben, gilt alles nichts mehr, sobald ein durchschnittlicher Vertreter Europas auftaucht. Das alte China verwandelt sich in ein schönes Museum, das man gern erhalten möchte, doch das Leben wird von modernen Apparaten und modernen Gedanken bestimmt:
„In diesen Jahren war ich noch viel mehr zu der Überzeugung gelangt, daß alles Ausländische gut und alles Chinesische – mit Ausnahme des Kaisertums, versteht sich – schlecht sei. Der Anblick eines Speermint Kaugummis oder einer Aspirintablette von Bayer genügte, um mich über die hoffnungslose Tölpelhaftigkeit der Chinesen im Vergleich zur Superintelligenz der Ausländer seufzen zu lassen.“
Wieder zeigt sich, daß der Unterschied zwischen Chinesen und Europäern so groß nicht ist. Beide haben die gleichen Wünsche nach Schnelligkeit, Bequemlichkeit und nach Neuigkeiten. Daher braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Asiaten sich ehrgeizig und erfolgreich die europäische Welt aneignen. Auch nicht darüber, daß sie neue Erfindungen machen und Dinge weiterentwickeln. Denn sie haben gelernt, was Weiterentwicklung bedeutet, und welche Vorteile sie bringt.
Die Frage bleibt jedoch, ob eine spezifische Fähigkeit oder ein besonderer Drang dazu gehört haben, um die historische Dynamik zu entfesseln. Ein WILLE ZUR MACHT, der sich von der chinesischen MACHTENTFALTUNG weniger quantitativ als qualitativ unterscheidet.
Allerdings handelt es sich hier nur noch um eine historische Frage. Den spezifisch weißen Willen, wenn es ihn gibt, brauchen wir vielleicht gar nicht mehr. Im Gegenteil, für die Naturerhaltung wäre er sogar verhängnisvoll. Den Ausdruck „CHINESISCH“ gebrauchte Nietzsche übrigens für alles, was starr und dabei kompliziert ist. Im Moment sieht es tatsächlich so aus, als ob das unsere Zukunft wäre.
Chinesisch I
Chinesisch II

Rasse 1

Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1769) prägte den Ausdruck „edle Einfalt, stille Größe“ zur Beschreibung des antiken Griechenland. Doch wie kam es dazu, daß gerade dieses Völkchen so besondere Eigenschaften zeigte? Auch dazu hat Winckelmann eine Theorie:

„GEBLÜT“, „KLIMA“ und „ERZIEHUNG“ haben die Griechen zu dem gemacht, was sie waren.
Modern ausgedrückt: Vererbung und Milieu. Wobei das „Klima“ einerseits das Individuum prägt, das darin aufwächst, andererseits das Volk, das darin entsteht. Nietzsche bezeichnete die beiden Stränge als „ZUCHT“ im Sinne von Erziehung und „ZÜCHTUNG“ im Sinne von Genetik. Die genetische Grundlage einer ganzen Menschengruppe nennt man „Rasse“. Winckelmann sagt: die alten Griechen waren rassisch und kulturell für ihre historische Leistung vorgeprägt.

Diese Aussage wurde vor 250 Jahren gemacht. Man braucht sich also über den naiven Rassismus nicht zu wundern. Doch noch 1985 werden Winckelmanns Ausführungen in dem Büchlein „Die deutsche Klassik“ von Ingeborg Scholz kritiklos übernommen. Sie kommt gar nicht auf die Idee, daß es sich hier um eine rassistische Position handelt.
Es ist manchmal schon angebracht, die Klassiker aus ihrem gewohnten Rahmen herauszureißen, wie die modernen Theaterregisseure. Tatsächlich herrscht eine Klassikerrezeption, die alles Anstößige und Provozierende übergeht und nur das finden will, was im Kopf eines linksliberalen Deutschlehrers vorkommt.

Ein Schreibtischtäter: J.J. Winckelmann

Donnerstag, 23. Februar 2012

Vortrag Silvia Stolz

Am Dienstag, 22. Februar, hielt Silvia Stolz in Berlin einen Vortrag. Am besten war der Anfang, denn er enthält den ganzen Irrtum der Holocaust-Leugner:

„Wer heute seinem Volk nützen will“, sagte Silvia Stolz sinngemäß, „wird als Nazi bezeichnet. Und der Begriff Nazi ist besetzt mit dem größten vorstellbaren Verbrechen. Auf diese Weise soll der Volkstreue außer Gefecht gesetzt werden.“
Weiter sprach Frau Stolz darüber, was man gegen diese Strategie tun könne. Ihr Vorschlag: die Bezeichnung Nazi akzeptieren und den Holocaust bestreiten.

Nett und sympathisch: Silvia Stolz


Das nützt aber genauso wenig wie die umgekehrte, von der NPD empfohlene Vorgehensweise, den Nazi-Vorwurf vehement zu bestreiten und die offizielle Holocaust-Version zu akzeptieren (siehe Holger Apfel neulich im „Spiegel“).
Beides nützt nichts, weil der eigentliche Vorwurf ein ganz anderer ist. Nationalsozialismus und Holocaust werden nur ins Feld geführt, weil es die schnellste und bequemste Art ist, nationale Forderungen zurückzuweisen. In Wirklichkeit geht es nicht gegen „Nazis“, sondern gegen die nationale Haltung als solche. „Wer seinem Volk nützen will“ ist an sich schon – ohne daß er mit Nationalsozialismus und Holocaust irgendetwas zu tun hat – aus der Politik ausgegrenzt. Eine nationale Position läßt sich nicht durchsetzen und wird sich nicht durchsetzen lassen.
Warum das so ist, wissen nicht nur die Nationalen nicht, sondern auch die anderen können es meist nicht gut begründen. Sie haben einfach das Gefühl, daß der Nationalismus irgendwie böse und inhuman ist, und greifen daher auf die Nazi-Keule zurück.
Es gibt aber ganz andere, stichhaltige Gründe dafür, daß der Nationalismus des 18. und 19. Jahrhunderts für die Zukunft nichts taugt. Diese Gründe sind allerdings nicht so plakativ. Sie verlangen eine kühle Reflexion.
Es gibt heute eine Technik, die in sich global ist und die Welt ständig kleiner macht. Mit dem Flugzeug ist man in wenigen Stunden an jedem beliebigen Ort. Mit dem Internet in einer Minute. Wenn in Rußland ein Atomkraftwerk explodiert, sind in Bayern die Pilze vergiftet. Es ist billiger, Früchte und Blumen über tausend Kilometer zu transportieren, als sie um die Ecke anzubauen. Die Kleidung, die wir tragen, wäre unbezahlbar, wenn sie nicht aus Indien oder China stammte. Das gleiche gilt für Computer und Kaffemaschinen.
Es ist also, schlicht gesagt, Schwachsinn, zum alten Nationalstaat zurückkehren zu wollen. Und diesen Unsinn kauft das Volk nicht ab. Deshalb haben die nationalen Parteien keine Chance. Nationalismus hat höchstens dort eine vorübergehende Chance, wo es darauf hinausläuft, als schwaches Land mehr von den stärkeren, vor allem von Deutschland, abzuschöpfen. Bei den Deutschen selber funktioniert dieses Vorhaben natürlich nicht. Weil wir stark sind, brauchen wir umgekehrt die schwächeren Länder als Abnehmer unserer Produkte. Deshalb wählen die Deutschen nicht rechts. Das Volk ist zwar einfältig, aber nicht schwachsinnig. Es weiß, wo seine Arbeitsplätze und Produkte herkommen.
Der nationale Gartenzwerg

Der besondere Witz besteht nun darin, daß gerade die Nationalsozialisten gar keinen Nationalismus im traditionellen Sinne mehr vertreten haben. Deshalb haben sie sich schon damals gegen andere nationale Gruppierungen durchsetzen können. Es ging um Großraumordnung (die Vorstufe zur „Weltordnung“), um das Reich und um die Rasse. Alles Prinzipien, die sich auf die moderne technisch-wirtschaftliche Entwicklung beziehen lassen. Daß die Bemühungen um „Autarkie“ als Kriegsvorbereitung dienten, wird nur jemand abstreiten, der Hitler für einen „Rhetor und einen Biedermann“ hält. Das Zitat stammt von Ernst Nolte. Es bezieht sich allerdings nicht auf den Krieg, sondern auf den Holocaust. Der Historiker räumt ein, daß es etliche ungeklärte Fragen zu diesem Thema gibt, für ihn jedoch überwiegen die Argumente, die für eine zielgerichtete Massentötung sprechen. Eines dieser Pro-Argumente besteht für Nolte in der „extremen Unwahrscheinlichkeit, daß Hitler lediglich ein Rhetor und ein Biedermann war“ (E.N., Späte Reflexionen, Wien/Leipzig 2011, S. 84).
Immer älter, immer klüger: Ernst Nolte

Jemand, der Hitler trotz der „extremen Unwahrscheinlichkeit“ für einen Biedermann hält, ist Silvia Stolz. Sie glaubt, daß die Juden unser Unglück sind, aber sie glaubt nicht, daß die Nazis ernst gemacht haben. Sie glaubt auch, das kam gegen Ende des Vortrags zur Sprache, daß die Deutschen „nicht nur an sich selbst denken“. Sie denken mit Vorliebe an „das Ganze“. Hegel nennt es „Geist“. Trotzdem glaubt sie an die nationale Gartenlaube, wo wir unsere Kartoffeln selbst anbauen und die Pullover aus Schafwolle stricken. Man könnte meinen, daß es sich hier um eine typisch weibliche Rückzugshaltung und Sentimentalität handelt. Doch das hat nicht mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Ghettoisierung. Wer immer klein gehalten wird, neigt auch zum kleinen Denken.
Es wäre tatsächlich erfolgversprechender, an den Nationalsozialismus anzuknüpfen als an einen veralteten Nationalismus. Dann müßte man allerdings den Nationalsozialismus von nostalgisch-biedermännischen Vorstellungen freimachen. Und das erste wäre das offene Eingeständnis der Verbrechen.
Der deutsche Geist

Mittwoch, 22. Februar 2012

Brief über Breker

Werner X. hat einen Brief an Jürgen Trimborn geschrieben. Mich und andere läßt der Verfasser am Inhalt des Briefes teilhaben. Es geht um die Biographie über Arno Breker, die Trimborn im letzten Jahr veröffentlicht hat. X. ärgert sich über das Buch und weist dem Autor in einem sechsseitigen Schreiben der Reihe nach Sachfehler und unangemessene Bewertungen nach. Diese Kritik dürfte Jürgen Trimborn aber nichts Neues sein, denn schon die Rezension am 29. November letzten Jahres in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war negativ ausgefallen. Was die FAZ auszusetzen hatte, entspricht im wesentlichen den Einwänden, die auch X. vorbringt. Im Zentrum steht der Vorwurf, daß eine einseitig politisch-moralische Verurteilung kein Kunstverständnis ersetzt. Sieht man sich an, was Trimborn bisher so getrieben hat, wundert man sich nicht mehr über seine mangelnde ästhetische Sensibilität. Biographien über Romy Schneider und Johannes Heesters mögen unterhaltsam und gut verkäuflich sein, für eine Beurteilung der Kunst des 20. Jahrhunderts bereiten sie nicht optimal vor.

Interessanter als die Kritik von Trimborn ist jedoch die Frage, wie wir selber zu den Kunstwerken von Breker stehen. Auch dazu hat sich X. in seinem Brief geäußert:
Auch ich bin beileibe nicht mit allem einverstanden, was Breker im Laufe seines Lebens geschaffen hat“, schreibt er. „Insbesondere die ganz monumentalen überdimensionierten Werke sagen mir nicht zu, wie auch Zahlreiches, was er nach dem Krieg machte. Vieles davon ist mir viel zu geglättet, zu manieriert, zu seelenlos, zu perfekt.“

Trotz dieser Einwände steht am Schluß des Schreibens eine geradezu euphorische Würdigung:
Die Sonne Apollos durchglühte Brekers Leben und seine Hand berührte mit den zarten Blütenblättern einer Rose die Marmorlippen der römischen Göttin. Brekers Leben waren die Schönheit und die Kunst, ungebrochen in Glück und Unglück.“

Diese Aussage steht in direktem Gegensatz zu der vorangehenden Bemerkung:
Das ganze Gerede nach 1945 vom humanistischen Menschenbild oder der christlichen Inspiration, vom Prophet des Schönen und dem Vollender der Antike geht mir selbst vielleicht noch mehr auf die Nerven als Ihnen.“ Dazu bringt X. eine interessante Erläuterung: „Ich habe selbst einige Zeit gebraucht, um diese Tatsache anzuerkennen und einen früher eingenommenen Standpunkt zu revidieren.

Der Widerspruch zeigt jedoch, daß der Standpunkt des Verfassers zu seinem eigentlichen Thema – Breker und die nationalsozialistische Kunst – noch immer nicht ganz ausgereift ist. Oft täuscht man sich über die eigene Unsicherheit hinweg, indem man antifaschistische Fehlurteile spielend widerlegt. Doch die echten Fragen fangen erst danach an.
Die Frage ist, ob tatsächlich die „politische Verstrickung“ bei Breker eines Tages keine Rolle mehr spielen wird und der Künstler Aufnahme in den Olymp der ewigen Meister wie Perikles oder Michelangelo findet oder zumindest den anerkannten Plastiken des 19. Jahrhunderts gleichgestellt wird. Das „Gerede“ vom Prophet des Schönen und Vollender der Antike würde sich dann als Wahrheit erweisen. Die Anklage, einen spezifisch „nationalsozialistischen Stil“ geschaffen zu haben, der untrennbar mit der nationalsozialistischen Lehre und Praxis verbunden ist, müßte fallengelassen werden. Darf man das tatsächlich hoffen? Und kann man es überhaupt wünschen?
X. kritisiert ganz bestimmte Merkmale an Brekers Arbeiten: das „Monumentale“, das „Seelenlose“ und das „Perfekte“. Nun sind das gerade die Kennzeichen, die Breker von einer bloß gelungen Kopie der antiken Werke unterscheiden. Gerade durch diese Verzerrungen bekommen die Werke ihre Einmaligkeit und Besonderheit. Gleichzeitig widersprechen sie dem tradierten klassischen Schönheitsempfinden, das auf Maß und Menschlichkeit aus ist. Das gilt gerade auch für die griechischen Plastiken. Sie sind schön, aber auch „edel“. Die Breker-Plastiken ähneln zwar den antiken, sind aber in charakteristischer Weise verformt. Das führt zu einem völlig anderen Eindruck. Und diesen Eindruck empfinden wir spontan als störend oder provozierend. Mit seiner Monumentalität, Seelenlosigkeit und Perfektion durchbricht Breker die herkömmlichen ästhetischen Kategorien. Dadurch werden seine Werke in spezifischer Weise „modern“. Ihre verstörenden Merkmale spiegeln die eigene Zeit wider – nur auf andere Art als die moderne Kunst, die von den Nationalsozialisten als entartet betrachtet wurde. Es ist klar, daß das Monumentale, Perfekte und Seelenlose mit der Technisierung im 20. Jahrhundert zusammenhängt. Dadurch sieht man den Menschen anders. Man sieht ihn auch körperlich geprägt von den technischen Möglichkeiten, die sich ihm für die Zukunft eröffnen. Diese Möglichkeiten gehen über das hinaus, was bisher dem Menschen zugeschrieben wurde. Konkret kann man bei Breker an eine kommende genetische Manipulation in Richtung „Übermensch“ denken. Ob einen das nun anheimelt oder eher abschreckt, jedenfalls erweist sich der Künstler mit diesem Motiv als äußerst zeitgemäß.
Man kann die NS-Kunst nur richtig würdigen, wenn man sie als eine spezielle Variante der „modernen Kunst“ versteht. Zwar setzt sie sich in bewußten Gegensatz dazu, aber gleichzeitig ist sie auch selbst Teil davon. Es stimmt nicht, daß hier nur die tradierten Formen gewahrt und alte Motive wiederholt werden. Vielmehr dienen diese Mittel dazu, um auf die Situation des 20. Jahrhunderts zu reagieren – allerdings kämpferisch. Das gilt nicht nur von Breker, sondern zum Beispiel auch von den opulenten Blut-und-Boden-Gemälden. Wenn man diese Bilder ansieht, merkt man sofort, daß hier nicht eine ursprüngliche ländliche Lebensweise realistisch dargestellt wird. Die Bilder wirken nicht als Erholung fürs Auge, sondern als Schlag ins Gesicht. Diese Bauern und Ackerpferde sind Fanale gegen die Enfremdung: darin ähnlich wie die Werke des „Sozialistischen Realismus“. Gerade in dem, was uns an diesen Bildern unangenehm oder peinlich berührt, liegt ihre spezifische Qualität und nicht etwa in den handwerklichen Fertigkeiten, die die Künstler mehr oder weniger auszeichnet.
Damit ist diese Kunst genauso untrennbar an die nationalsozialistische Ideologie gebunden, wie die mittelalterliche Kunst an den katholischen Glauben gebunden ist. Wenn man meint, das trennen zu können und „rein ästhetisch“ von einer Madonna schwärmt, so handelt es sich um ein gelehrtes Mißverständnis. Der eigentliche Gehalt des Kunstwerkes ist immer seine Botschaft, und diese Botschaft ist nicht ewig, sondern historisch bedingt. Man wird Breker immer dafür bewundern, wie er den nationalsozialistischen Gedanken zum Ausdruck brachte, und wenn man von diesem Gedanken nichts mehr weiß, so wird man durch die Berührung mit den Werken auf die historischen Hintergründe neugierig werden. Mit griechischen Göttern werden Brekers Figuren niemals zu vergleichen sein. Und gerade diese Unvergleichbarkeit macht seine Größe aus.

Kasseler Apollon 100 n. Chr.







Arno Breker, Erwartung

Es ist nicht das Privileg von Picasso, wenn zum Verständnis seiner Werke bestimmte Kenntnisse gehören. Es nicht das Privileg der „entarteten Kunst“, die moderne Zeit zu repräsentieren. Und schließlich ist es nicht das Privileg von Skandalkünstlern, das Publikum zu provozieren. Das kann die NS-Kunst genauso gut.

Freitag, 17. Februar 2012

Nachricht 4

Zwanzig Jahre nach seinem Tod ist ein weiterer „Wissenschaftsnazi“ enttarnt worden. Es handelt sich um den Professor der evangelischen Theologie Otto Michel. Seit 1933 war er Mitglied der NSDAP und anfangs auch in der SA.

Richtig interessant wird die Sache dadurch, daß Michel sich nach dem Krieg zum besonderen Verfechter des jüdischen Erbes innerhalb des Christentums gemacht hat. Und dabei handelte es sich nicht nur um billige Sympathieerklärungen, sondern echte Forschungsergebnisse hat der Professor auf diesem Gebiet zutage gefördert. Die „Rückkehr zum hebräischen Denken“ nannte er das, wohlgemerkt immer innerhalb des Protestantismus. „Er verfügte ein unwahrscheinliches Gespür für die alten Texte Judentums“, bezeugt ein Kollege.
Und nun kommt das Unwahrscheinlichste: wie nämlich der Schatten den frommen Mann einholte. Wenige Monate vor seinem Tode hatte er sich in Sichtweite des Bettes eine hölzerne Standscheibe von einer Thora-Rolle (der hölzerne Griff) aufgestellt. Später kam sie ins Tübinger Stadtmuseum – bis ein findiger Antifaschist herausfand, daß man das Stück einst einem polnischen Juden entwendet und höchstwahrscheinlich dem Nazi-Forscher Michel zur Verfügung gestellt hatte.

Übrigens war die nationalsozialistische „Judenforschung“ in Tübingen besonders aktiv. Und sie bestand nicht nur in der Ausmessung von Nasenlängen, sondern durchaus auch im Studium der Originaltexte. So konnte sich der junge Wissenschaftler mit Parteibuch auf seine spätere Karriere als Philosemit und Versöhnungstheologe gut vorbereiten.
Es gibt offenbar Menschen, die sind so an ihrem „Stoff“ interessiert, daß es ihnen zweitrangig vorkommt, von welcher Richtung her der Zugriff auf diesen Stoff erfolgt. Das sind die richtig-echten Wissenschaftsmenschen. Und wo er recht hat, hat er recht: Im Christentum ist viel Judentum und im Protestantismus besonders. Das „jüdische Erbe von Jesus“ ist ein lohnendes Thema. Ob Judenfreund oder Judenfeind spielt da gar keine so große Rolle.

Rechtmäßiger Erbe der Thorascheibe ist der Psychologe Avner Falk. Der schreibt jetzt ein Buch über den Fall.
So sieht die "Thorascheibe" aus

Griechischstunde

Eine Frage, die in der aktuellen Diskussion immer zu kurz gekommen ist: WOZU BRAUCHEN WIR EIGENTLICH DIE GRIECHEN?

Es gab übrigens schon mal eine Zeit, wo ganz Europa glaubte, daß man den Griechen unbedingt helfen müsse. Das war um 1820. Da wollte sich Griechenland von der 300-jährigen türkischen Vorherrschaft befreien. Dabei fiel es den Europäern auf, daß die Griechen noch existierten. Sie waren nicht ausgestorben und hatten Europa die Kultur hinterlassen, sondern sie hatten Europa die Kultur hinterlassen und waren noch immer da. Obwohl man sie inzwischen zur Kultur längst nicht mehr brauchte, weil die alten Griechen alles aufgeschrieben hatten und eine Menge Gelehrte aus aller Welt das sehr gut lesen konnten. Trotzdem trieben sich in Griechenland immer noch Menschen herum und wollten jetzt auch noch Anteil an den Menschenrechten. Eine peinliche Situation für die Europäer, zumal sie zum Osmanischen Reich ganz gute Wirtschaftsbeziehungen hatten.

Eines Tages dürfte das auch unser Schicksal sein. Dann wird man sich fragen, wozu eigentlich die Deutschen da sind. Alles, was wir erdacht und gemacht haben, ist der Überlieferung anvertraut, und im Unterschied zu Platon und Aristoteles wird man uns sogar im Film sehen können. „Die Deutschen!“, wird man so bedeutungsvoll ausrufen, wie man im 19. Jahrhundert ausrief „Die Griechen!“ Und wie mit „den Griechen“ natürlich immer die alten Griechen gemeint sind, so meint man in fünfhundert Jahren mit „den Deutschen“ immer die Originaldeutschen und nicht das Völkchen, das dann zwischen Maas und Memel ein mehr oder weniger angenehmes, aber bedeutungsloses Dasein führt. Und das in einem Idiom spricht, das nur noch von ferne an die Sprache Humboldts, Hölderlins oder Himmlers erinnert.

Wieso Himmler? Weil sein Vater Lehrer für Griechisch und Latein war, „Altphilologe“ nennt man das, und Oberstudiendirektor an einem Gymnasium. Ein gelehrter Mann. Leider hatte er sich mit seinem Sohn schon früh überworfen. Zwar führte Heinrich von Kindheit an ein Tagebuch, das der Vater regelmäßig kontrollierte, und konnte schon deshalb nichts Verbotenes tun, weil er es dann hätte eintragen müssen. Und bis zum Abitur ging der Sohn auch jeden Sonntag mit zum Hochamt. So nennt man eine Messe mit allem Drum und Dran und natürlich in lateinischer Sprache. Denn Oberstudienrat Himmler war nicht nur Gräzist, er war auch katholisch und sah darin keinerlei Widerspruch. Im Gegenteil: Antike und Christentum begründen beiderseits die europäische Bildung. Und beides ist in die Gestalt des humanistischen Gymnasiums eingegangen. Im humanistischen Gymnasium wurde damals die Elite erzogen – und ganz besonders im Wittelsbacher Gymnasium in München, wo Himmler unterrichtete.
Woher wir das alles wissen? Auf die gleiche Schule ist zufällig ein Schriftsteller gegangen, der es im Nachkriegsdeutschland zu einigem Ansehen gebracht hat. Alfred Andersch heißt er, ein Mitglied der Gruppe ´47 und beliebter Lesebuchautor, weil seine Geschichten so lehrreich sind. Über seinen ehemaligen Schuldirektor – im Schülerjargon „Rex“ genannt, das lateinische Wort für „König“ – hat er auch eine Geschichte geschrieben. Die Gelegenheit hat er sich nicht entgehen lassen, eine die bedeutungsvolle Begegnung literarisch auszuwerten. Von dem Vater von Himmler in der Schule unterrichtet zu werden, muß schon ein Erlebnis sein. Leider hat der Schüler es damals nicht gewußt. Er wußte nur, daß der „Rex“ einen Sohn hat, der zu den „Hakenkreuzlern“ gehört, und daß der Vater damit überhaupt nicht einverstanden war.

Es gibt nun zwei Arten, die Erzählung von Alfred Andersch aufzufassen. Entweder liest man sie so, wie der Autor es gewollt hat. Schon im Titel „VATER EINES MÖRDERS“ drückt sich diese Autorenabsicht aus. Er will sagen: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Der Lehrer verhält sich im Klassenzimmer genauso wie sein Sohn sich gegenüber den Volksfeinden verhält. Zwar kann der Lehrer seine Schüler nicht physisch vernichten, aber ihre armen Kinderseelen oder zarten Jugendtriebe werden durch die „schwarze Pädagogik“ grausam hingemordet. Schwarze Uniform, schwarze Pädagogik. Auch haben sich die beiden später wieder versöhnt. Der weltanschauliche Streit betrifft für Andersch nur die Generationenfrage. Der Nationalsozialismus ist neu, das kann der Alte zunächst nicht verkraften. Im Prinzip aber vertritt er das gleiche: DRILL, AUTORITÄT, SADISMUS. Das Unterrichten trägt beim „Rex“ alle Züge einer Folter. Sein Folterinstrument ist die griechische Grammatik. Sie taugt dazu bestens, weil ihre Beherrschung nicht nur Intelligenz, sondern zusätzlich eine Menge Fleiß erfordert. Beides zusammen bringen nicht alle Schüler auf. Weil aber das humanistische Gymnasium die griechische Sprache als „Schlüsselqualifikation“ betrachtet, kann er legitimerweise alle, die nicht über sein Stöckchen zu springen vermögen, als komplette IDIOTEN hinstellen und teilweise sogar von der Schule und damit aus dem Reich der höheren Bildung verweisen.
Vater eines Mörders: Verfilmung BRD 1985


Himmlers Vater ist ein korpulenter Herr mit gepflegter bürgerlicher Kleidung und ohne den Hauch eines militärischen Habitus. Und doch versteht ihn Andersch so zu schildern, daß die zivilisatorischen Hüllen abfallen und das „herrliche Raubtier“ herausschaut. Es gibt solche korpulenten Leute, die gleichzeitig federnd und elastisch auftreten. Der Rex lauert hinter dem Schüler, und dann springt er ihn an. Dabei glitzern die blauen Augen hinter den Brillengläsern genau so, wie man es sich beim Reichsführer vorstellt. Umgekehrt hat Heinrich Himmler durchaus etwas Oberlehrerhaftes. Er ist eigentlich kein Soldatentyp, sondern ein Gelehrtentyp. Dazu paßt auch die Aufgabe des „Ahnenerbes“. Man kann das als Ähnlichkeit verbuchen, aber diese Ähnlichkeiten sind doch oberflächlich, während durch die Familie Himmler und durch das ganze DEUTSCHE BILDUNDSBÜRGERTUM ein tiefer weltanschaulicher Riß geht. Das ist die zweite Lesart.
„Der Humanismus schützt vor gar nichts“, formuliert der Autor das Resultat seiner Beobachtungen. Beobachtungen an der Familie Himmler, die aufs deutsche Bildungsbürgertum zu übertragen sind. Das „humanistische“ Gymnasium soll ein bestimmtes Menschenbild vermitteln. Das Menschenbild, das die alten Griechen entworfen haben. Es zeichnet sich aus durch den hohen Anspruch an den Menschen. Er soll von der Vernunft bestimmt sein und sich entsprechend gerecht und selbstbeherrscht benehmen. Gäbe es nur Menschen, die diesem Ideal entsprechen, so herrschte eine allgemeine Harmonie. Diese Vorstellungen sind in Europa immer leitend geblieben. Wie sehr auch die Realität davon abwich, es hat doch nie ein anderes Leitbild gegeben. Der kriegerische Mensch, wie ihn das „Ahnenerbe“ als indogermanisch (arisch) propagierte, entspricht nicht dem humanistischen Ideal. Auch deshalb versuchten Himmlers Wissenschaftler, den Krieger im asiatischen Raum auszumachen.
Merkwürdig ist, daß sie nicht darauf kamen, in Griechenland selbst danach zu suchen. Wer das getan hat, war Friedrich Nietzsche, selbst ein Professor der klassischen Philologie. Seine Schrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ behandelt genau diesen Konflikt zwischen humanistischem Griechentum und einem anderen ursprünglicheren und weniger zivilisierten Griechenland, das die Bezeichnung „DIONYSISCH“ erhält. Das Dionysische wird mit der Musik von Richard Wagner assoziiert, Wagner inspirierte Hitler. Es ist wohl keine Frage, daß auch der Nationalsozialismus ein „dionysisches“ Potential enthält, das sich vom humanistischen Bildungsideal diametral. Aus dem neuen Griechentum kommt auch ein neues Deutschtum. Insofern ist der Konflikt zwischen Himmler Vater und Sohn viel spannender: „Der Humanismus schützt vor gar nichts“? Schlimmer: der Humanismus ist BANKROTT wie der griechische Staat.
Noch vor Nietzsche hat Friedrich Hölderlin das Griechentum in Abgrenzung von den Klassikern Goethe und Schiller neu betrachtet. Auch er stößt auf den Gott Dionysos, der für Rausch und Ekstase steht. Bezeichnenderweise formt sich das Christentum aus der Dionysos-Gestalt, die bocksbeinig und mit Hörner dargestellt wurde, seine populäre Vorstellung vom Teufels. Dagegen steht der Kunstgott Apollon. Am 20. April 1937 bekam Hitler von Heinrich Himmler ein Buch geschenkt: „Luzifers Hofgesind“ von Otto Rahn. Ein Buch, das Himmler auch dann noch propagierte, nachdem Rahn sich umgebracht hatte. Damit war Heinrich eindeutig vom Gott der Vaters zum Gegengott DIONYSOS-LUZIFER-HITLER gewechselt.
Gott Dionysos: "den Tiger reiten"

Zu der Zeit, als Himmler senior am Wittelsbacher Gymnasium Griechisch unterrichtete, waren die Klassiker in ihrer humanistischen Auffassung längst überholt. Was er seine Schüler lehrte, war eine Form, aus der der Geist gewichen war. Insofern ist das Unbehagen des Schülers Andersch an diesem Unterricht verständlich. Es stimmt mit dem Unbehagen Heinrich Himmlers an seinem Elternhaus überein. Daher kommen sich der linke Revoluzzer und der junge Nationalsozialist auch in der Erzählung merkwürdig nahe: „weil ihm der junge Himmler, obwohl er ihn nicht kannte, sympathisch war; an einem Sohn, der vor diesem Vater, vor dieser alten, abgespielten und verkratzten Sokrates-Platte stiften gegangen war, mußte ja etwas dran sein.“ - Vor allem dann, wenn er sich ein neues Vorbild sucht, das nicht einmal das Abitur gemacht hat.
Allerdings reicht es nicht, gegen die bürgerliche Bildung aufzugehren. Sonst wird nur Disziplinlosigkeit und Schwäche daraus. Von der Warte des Antiautoritären stimmen allerdings der bürgerliche Vater und der nationalsozialistische Sohn überein: beide haben eine Macht, an die sie glauben. Allerdings ist es eine völlig andere Macht. Statt des idealen Menschen als Leitbild ist es jetzt der wilde Urgrund, aus dem dieser sich erst entwickelt hat. Statt des eigenen idealisierten Spiegelbilds ist es etwas dem Individuum völlig Fremdes und ihm gegenüber GRAUSAMES.
Nach dieser Unterrichtsstunde können wir uns wirklich fragen: Brauchen wir die Griechen? Die Antwort ist ernüchternd: Im Grunde brauchen wir sie nicht mehr und nicht weniger als die Tibeter oder die Samurai. Vor allem brauchen wir jetzt die DEUTSCHEN. Das ist auch den Griechen klar. Aus Ärger darüber verzieren sie jetzt die Bundeskanzlerin mit einem Hakenkreuz. Auch das brauchen sie offensichtlich.





Mittwoch, 15. Februar 2012

Nachricht 3

In dieser Woche steht im „Spiegel“ eine Geschichte über die NPD. Darin wird unter anderen Holger Apfel befragt. Man stellt ihm auch folgende Frage:

War Hitler ein Verbrecher?

Apfel antwortet darauf erstaunlicherweise nicht mit einem klaren „Ja“. Ein klares Ja wäre auf jeden Fall besser gewesen. Erstens hätte es die „Spiegel“-Leser erstaunt. Zweitens hätte es bewiesen, daß auch Holger Apfel – genau wie Hitler selbst – die Fähigkeit hat, den Leuten offen ins Gesicht zu lügen. Er hätte dazu – wie Hitler – noch ergänzen können, daß das Lügen zum politischen Geschäft gehört. Dann wären die „Spiegel“-Leser vollends verwirrt gewesen.

Stattdessen hat Apfel auf diese Frage die Auskunft verweigert. Auf die Frage, warum er die Auskunft verweigert, soll er gesagt haben: „Darum.“ Das kommt nicht gut. Da könnte der „Spiegel“-Leser annehmen, Apfel hält Hitler für einen „Verbrecher“, will es aber nicht sagen, um die Basis nicht zu enttäuschen.

Am besten wäre es gewesen, den „Spiegel" auf Nietzsche und den Aphorismus 45 der „Götzendämmerung“ hinzuweisen. Da steht allerhand Interessantes zum Thema. Einiges paßt auch auf unseren Fall:

Ich richte die Aufmerksamkeit darauf, wie noch jetzt, unter dem mildesten Regiment der Sitte, das je auf Erden, zum Mindesten in Europa, geherrscht hat, jede Abseitigkeit, jedes lange, allzulange Unterhalb, jede ungewöhnliche, undurchsichtige Daseinsform jenem Typus nahe bringt, den der Verbrecher vollendet. Alle Neuerer des Geistes haben eine Zeit das fahle und fatalistische Zeichen des Tschandala auf der Stirn: nicht, weil sie so empfunden würden, sondern weil sie selbst die furchtbare Kluft fühlen, die sie von allem Herkömmlichen und in Ehren Stehenden trennt. Fast jedes Genie kennt als eine seiner Entwicklungen die „catilinarische Existenz,” ein Hass-, Rache- und Aufstands-Gefühl gegen Alles, was schon ist, was nicht mehr wird ... Catilina — die Präexistenz-Form jedes Caesar.“

Nun müßte man noch wissen, wer „Catilina“ war. Intellektuelle braucht man in der Politik normalerweise nicht, in den etablierten Parteien sind sie daher auch nicht zu finden. Eine revolutionäre Partei aber braucht Intellektuelle, weil eine etablierte Partei im Unterschied zur revolutionären mit dem „Spiegel“ nicht über das Verbrechen reden muß, sondern höchstens über falsch abgerechnete Dienstwagen.

Präexistenzform eines Cäsar


 Auch zur Ausländerkriminalität bringt der Aphorismus einigen Aufschluß:
Der Verbrecher-Typus, das ist der Typus des starken Menschen unter ungünstigen Bedingungen, ein krank gemachter starker Mensch. Ihm fehlt die Wildnis, eine gewisse freiere und gefährlichere Natur und Daseinsform, in der Alles, was Waffe und Wehr im Instinkt des starken Menschen ist, zu Recht besteht. Seine Tugenden sind von der Gesellschaft in Bann getan; seine lebhaftesten Triebe, die er mitgebracht hat, verwachsen alsbald mit den niederdrückenden Affekten, mit dem Verdacht, der Furcht, der Unehre. (…) Die Gesellschaft ist es, unsre zahme, mittelmäßige, verschnittene Gesellschaft, in der ein naturwüchsiger Mensch, der vom Gebirge her oder aus den Abenteuern des Meeres kommt, notwendig zum Verbrecher entartet.“
Man muß sich also fragen, ob die kriminellen Moslems nicht das allerbeste Menschenmaterial für eine künftige SA hergeben. Stiefel braucht man ihnen nicht mehr zu kaufen, die Waffen bringen sie auch selbst mit. - Mit diesem Statement hätte Apfel den „Spiegel“ am meisten geärgert.


Naturwüchsiger Mensch